Wie wird der Maschinenstundensatz berechnet?

Alle Informationen zum Maschinenstundensatz: online Rechner, Praxis Tipps, Beispiele und Formeln

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Maschinenstundensatz Rechner

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Was ist der Maschinenstundensatz?

Bei der Maschinenstundensatzrechung werden alle maschinenabhängigen Fertigungsgemeinkosten des gesamten Jahres addiert und durch die Maschinenlaufzeit geteilt. Dies erleichtert die Kalkulation der Herstellkosten einer erbrachten Leistung. Nutzen Sie den kostenlosen Maschinenstundensatz Rechner, um den Stundensatz Ihrer Maschine einfach und schnell selbst zu berechnen.

Formel:

Maschinenstundensatz [€/h] = Summe aller Maschinenabhängiger Kosten [€] / Maschinenlaufzeit [h]

Maschinenlaufzeit

Die Maschinenlaufzeit ist die Summe der Zeiten, in der eine Maschine im Jahr produktiv arbeiten kann. Dabei wird die Anzahl der Schichten, wieviel Stunden je Schicht, Rüstzeiten und die Anzahl der genutzten Arbeitswochen berücksichtigt. In verschiedenen Quellen werden die Rüstzeiten mal rausgerechnet und mal nicht. Bei den unten stehenden Formeln sind die Rüstzeiten herausgerechnet. Im Grunde ist es aber Ihnen überlassen. Wenn Sie die Rüstzeiten nicht mit rausrechnen, dann empfehlen wir die Rüstzeiten mit auf die Maschinenstückzeit aufschlagen, damit diese Kosten gedeckt sind.

Praxis Tipp:

Ziehen Sie mindestens 2 Wochen für Reparatur,- Wartungs- und Stillstandszeiten ab.

Formel:

Maschinenlaufzeit [h] = Anzahl genutzter Arbeitswochen im Jahr * Arbeitstage je Woche * Anzahl Schichten * (Arbeitstunden je Schicht [h] - Rüstzeiten je Schicht [h])

Beispiel:

In einem Betrieb werden die Anlagen im Einschichtbetrieb mit jeweils 8 Stunden am Tag betrieben und das 5 Tage in der Woche. Weiterhin gibt es 2 Wochen Betriebsferien und eine Woche wird für Wartungs- und Reparaturzeiten berücksichtigt. Dies ergibt 1960 Soll-Laufstunden im Jahr (8 Stunden *5 Wochentage * 49 Wochen). Dazu kommt, das im Schnitt eine Stunde je Schicht für Rüstzeiten abgezogen werden muss. Dies ergibt dann eine Maschinenlaufzeit von 1715 Stunden im Jahr.

Fixer Anteil vom Maschinenstundensatz

Kalkulatorische Abschreibungen

MIt der kalkulatorische Abschreibung wird der Abnutzung der Maschine und der damit verbundenen Wertminderung Rechnung getragen. In der Regel wird hierbei eine lineare Abschreibung angewendet. Dabei wird der gesammte Wertverlust durch die Anzahl der Nutzungsjahre geteilt. Dies ergibt dann die kalkulatorische Abschreibung je Jahr. Anstatt der Anschaffungskosten werden hier jedoch die voraussichtlichen Wiederbeschaffungskosten am Ende der Nutzungsdauer angesetzt. Die Wiederbeschaffungskosten werden dabei über die Inflationsrate abgeschätzt. Es gibt auch Quellen, die mit den Anschaffungskosten anstatt mit dem Wiederbeschaffungskosten rechnen. Ich rechne hier mit den Wiederbeschaffungskosten, da die Kosten für die höheren Wiederbeschaffungskosten bei der Kalkulation damit abgedeckt werden.

Praxis Tipp Nutzungsdauer:

AfA Tabellen vom Finanzministerium geben Richtwerte für die Nutzungsdauer in Jahren, diese liegen je nach Maschine zwischen 5 und 11 Jahren (AfA Tabellen: bundesfinanzministerium.de).

Praxis Tipp Inflationsrate:

Die verwendete Inflationsrate hat insbesondere bei längeren Laufzeiten einen erheblichen Einfluss. Auch wenn aktuell die Inflationsrate sehr hoch ist, würde ich empfehlen hier den Mittelwert der letzten Jahre zu verwenden. Die mittlere Inflationsrate 2022-2018 liegt bei 2,4 % (Quelle: finanz-tools.de).

Formeln:

Wiederbeschaffungskosten [€] = Anschaffungskosten[€] * (1 + Inflation[%]/100)Nutzungsdauer [Jahre]

Kalkulatorischer Abschreibung [€/Jahr] = (Wiederbeschaffungskosten [€] - Schrottwert [€]) / Nutzungsdauer [Jahre]

Beispiel Fräsmaschine:

Anschaffungskosten: 60000 €
Schrottwert bzw. Verkaufswert am Ende der Nutzungsdauer: 10000 €
Nutzungsdauer: 7 Jahre
Inflation: 2,4%
Wiederbeschaffungskosten = 60000 € * (1 + 2,4/100)7 = 70835,5 €
Kalkulatorischer Abschreibung = (70835,5 € - 10000 €) / 7 = 8690,79 [€/Jahr]

Kalkulatorische Zinsen

Es werden die Kosten kalkuliert, die durch das durchschnittlich gebundene Kapital zum Kauf der Maschine entstehen. Die Kosten entsprechen dabei der Verzinsung am Kapitalmarkt, wenn der Kapitalgeber es regulär am Kapitalmarkt verzinsen würde. Bei einer linearen Abschreibung sind durchschnittlich die halben Anschaffungskosten gebunden, daher wird für die Berechnung der kalkulatorischen Zinsen die halben Anschaffungskosten verwendet.

Praxis Tipp:

Der aktuell maximal anzusetzende Zinssatz liegt bei 5.42% (Quelle: gpanrw.de)

Formel:

Kalkulatorische Zinsen [€/Jahr] = Anschaffungskosten [€] * Zinssatz [%] * 0.5 / 100

Beispiel Fräsmaschine:

Anschaffungskosten: 60000 €
Zinssatz: 5%
Kalkulatorische Zinsen = 60000 € * 5% * 0,5 /100 = 1500 €/Jahr

Raumkosten

Der Raumkostensatz wird ermittelt, indem alle Kosten zur Bereitstellung der Betriebsräume addiert werden und dies durch die Gesamtanzahl des nutzbaren Raums geteilt wird. Bei mehreren Stockwerken, wird natürlich die Fläche aller Stockwerke berücksichtigt. Raumkosten sind z. b. Miete, Heizung, Beleuchtung und Reinigung. Bei eigenen Gebäuden sind anstatt der Miete einige andere Kosten zu berücksichtigen, z. B. Gebäudeabschreibung, Instandhaltung, Grundsteuer und Gebäudeversicherungen. Es bietet sich an alle Raumkosten in einer Kostenstelle zu sammeln. So können die Raumkosten einfacher berechnet und geprüft werden, da dies viele verschiedene Positionen sein können. Die Räumlichkeiten die keiner Maschine zugeordnet werden können, da z.b. für Verwaltung benötigt, werden über Gemeinkostensätze auf die zu produzieren den Waren umgelegt

Die Raumkosten für eine spezifische Maschine berechnen sich aus der Multiplikation des Raumkostensatzes und der Aufstellfläche. Berücksichtigen Sie bei der Berechnung der Aufstellfläche auch benötigte Flächen für Gänge bzw. benötigten Freiraum zur nächsten Maschine oder Wand.

Praxis Tipp:

Wenn Ihnen die Raumkosten nicht zur Verfügung stehen, können Sie übliche Mieten bzw. Raumkosten von vergleichbaren Hallen in Ihrer Nähe recherchieren und verwenden.

Formeln:

Raumkostensatz [€/m²] = Summe aller Raumkosten im gesamten Jahr [€] / nutzbarer Raum [m²]

Raumkosten [€/Jahr] = Raumkostensatz [€/m²] * Aufstellfläche [m²]

Beispiel Fräsmaschine:

Raumkosten Werkstatt: 60000 €/Jahr
Nutzbarer Raum: 500 m²
Aufstellfäche: 10 m²
Raumkostensatz = 60000 € / 500 m² = 120 €/m²
Raumkosten = 120 €/m² * 10 m² = 1200 €/Jahr

Variabler Anteil vom Maschinenstundensatz

Stromkosten

Zur Berechnung der Stromkosten werden die Grundgebühr und die Kosten für den tatsächlichen Stromverbrauch für das komplette Jahr addiert. Alternativ können die Kosten für den Stromverbrauch auch mit der mittleren Leistungsaufnahme und der tatsächlichen Laufzeit abgeschätzt werden. Fragen Sie beim Maschinenhersteller nach der mittleren Leistungsaufnahme (anderes Wort für Stromverbrauch) Ihrer Anlage, oft steht dies auch im Datenblatt. Wenn Sie dazu keine Daten erhalten, dann nehmen Sie stattdessen die maximale Leistungsaufnahme. Allerdings werden Sie so mit höheren Kosten rechnen als notwendig.

Eine genauere Betrachtung der Stromkosten sollte erfolgen, wenn die Stromkosten einen erheblichen Anteil an den Fertigungskosten ausmachen und der Stromverbrauch sehr individuell von der erbrachten Leistung abhängt. In solchen Fällen könnte es hilfreich sein die individuelle Kosten direkt auf die erbrachte Leistung anzurechnen und nicht über einen Stundensatz.

Praxis Tipp:

Typische Strompreise für Firmenkunden mit Verbräuchen von z. B. 50000 kWh im Jahr liegen ca. bei 200 € Grundgebühr und 0,35 €/kWh (Nettopreise, Stand Februar 2022). Da die Grundgebühr nur einen sehr geringen Anteil an der Gesamtkosten hat, ist der Einfluss auf den Maschinenstundensatz vernachlässigbar.

Formel:

Stromkosten [€] = Mittlere Leistungsaufnahme [kw] * Strompreis [€/kwh] * tatsächliche Laufzeit [h]

Beispiel Fräsmaschine:

Strompreis: 0,35 €/kWh
Mittlere Leistungsaufnahme: 2 kW
Tatsächliche Laufzeit = 1600 Stunden
Stromkosten = 1600 h * 2 kW * 0,35 €/kWh = 1120 €/Jahr

Wartungs- und Reparaturkosten

Hier werden alle Wartungs- und Reparaturkosten, die übers Jahr an der Maschine anfallen, addiert. In der Regel werden diese Kosten gemittelt, beim Betrieb von mehreren Maschinen eines ähnlichen Typs oder auch bei Erfahrungswerten über mehrere Jahre hinweg.

Praxis Tipp: Wartungs- und Reparaturkosten

Wenn Sie noch keine Erfahrungswerte haben, können Sie ebenfalls den Maschinenhersteller fragen oder die Kosten von Wartungsverträgen ansetzen (egal ob abgeschlossen oder nicht). Wenn Sie keine Daten haben, können Sie grob mit einem Instandhaltungssatz von 3 - 5 % des Anschaffungspreises rechnen.

Praxis Tipp: Softwarekosten

Laufende Kosten für Software werden gern vergessen, dies sollte bei den Wartungskosten mit berücksichtigt werden.

Formeln:

Wartungs- und Reparaturkosten [€] = Summe aller Wartungs- und Reparaturkosten [€]

Alternative Formel:
Wartungs- und Reparaturkosten [€] = Anschaffungskosten [€] * Instandhaltungssatz [%] / 100

Beispiel Fräsmaschine:

Anschaffungskosten: 60000 €
Instandhaltungssatz: 4%
Wartungs- und Reparaturkosten = 60000 € * 4% / 100 = 2400 €

Kosten für Werkzeuge und Betriebsstoffe

Hier werden alle Kosten für Werkzeuge und Betriebsstoffe je Maschine über das Jahr summiert. Wenn jedoch die Werkzeugkosten oder die Kosten für die Betriebsstoffe sehr stark von der zu erbringenden Leistung abhängen, ist es in der Regel nicht zielführend diese Kosten auf den Maschinenstundensatz umzulegen. Dann sollten diese Kosten besser der erbrachten Leistung zugerechnet werden. So zum Beispiel beim Spritzguss, die Werkzeugkosten von Bauteilen die auf eine Spritzgussmaschiene gefertigt werden, können leicht um Faktor 10 voneinander abweichen. Demgegenüber werden zum Beispiel bei Drehmaschinen die gleichen Werkzeuge für eine Vielzahl von verschiedenen Bauteilen verwendet und sind in der Regel nicht Bauteilspezifisch (zum Beispiel Wendeschneidplatten). Daher bietet es sich bei solchen Maschinen eher an die Werkzeugkosten im Maschinenstundensatz zu berücksichtigen

Praxis Tipp:

Recherchieren Sie die Standzeiten und Einkaufskosten Ihrer Werkzeuge, um die Werkzeugkosten abzuschätzen. Der Werkzeughersteller sollte diese Daten haben. Daten über den Verbrauch von Betriebsstoffen sollte der Maschinenhersteller haben.

Formel:

Kosten für Werkzeuge und Betriebsstoffe [€] = Summe aller Kosten für Werkzeuge und Betriebsstoffe im Jahr [€]

Herstell- und Selbstkosten

Auf Basis des Maschinenstundensatzes und der Maschinenlaufzeit je Bauteil lassen sich die Selbstkosten des hergestellten Bauteils bzw. der erbrachten Leistung berechnen:

Materialeinzelkosten
+ Materialgemeinkosten
= Materialkosten
+ Fertigungseinzelkosten
+ Fertigungsgemeinkosten (Maschinenstundensatz * Maschinenstückzeit)
+ Restliche Gemeinkosten der Fertigung
+ Sondereinzelkosten der Fertigung
= Herstellkosten
+ Konstruktions- und Entwicklungsgemeinkosten
+ Verwaltungsgemeinkosten
+ Vertriebsgemeinkosten
+ Sondereinzelkosten des Vertriebs
= Selbstkosten

Quellen:

E. Hering, Kalkulation für Ingenieure, Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
J. Härdler und T. Gonschorek, Betriebswirtschaftslehre für Ingenieure, Carl Hanser Verlag München 2016 VDI 3258 Blatt 1, Kostenrechnung mit Maschinenstundensätzen, Beuth Verlag 1962

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